Im Alltag besser abschalten – Person entspannt sich in ruhiger Umgebung und lässt den Tag bewusst ausklingen

Wie kann ich im Alltag besser abschalten?

Daniel Sigrist

Wie kann ich im Alltag besser abschalten? Erfahre, warum Abschalten schwerfällt und welche konkreten Routinen dir helfen, Stress zu reduzieren und zur Ruhe zu kommen.

Wie kann ich im Alltag besser abschalten?

Um im Alltag besser abschalten zu können, brauchen Sie bewusste Übergänge zwischen Anspannung und Entspannung – denn Ihr Gehirn schaltet nicht automatisch ab, nur weil der Arbeitstag endet. Die Fähigkeit abzuschalten lässt sich trainieren, erfordert aber konkrete Routinen und das Verständnis, warum Ihr Nervensystem im Dauermodus läuft. Psychologische Beratung kann Ihnen helfen, diese Muster zu erkennen und zu verändern.

Warum fällt Abschalten so schwer?

In einer Welt, die permanente Erreichbarkeit belohnt, ist Abschalten eine echte Herausforderung geworden. Das Smartphone liegt neben dem Bett, die E-Mails kommen auch nach 20 Uhr, und der Kopf verarbeitet den Arbeitstag noch stundenlang weiter. Dazu kommt: Viele Menschen kennen den Unterschied zwischen Ablenkung und echter Entspannung nicht mehr. Fernsehen, Social Media oder Online-Shopping fühlen sich an wie Pause – sind es aber nicht. Sie beschäftigen das Gehirn weiter, anstatt es zur Ruhe kommen zu lassen.

Ein zentraler Grund, warum viele Menschen nicht abschalten können, ist ein dauerhaft aktiviertes Nervensystem. Wer ständig gestresst und erschöpft ist, dessen Sympathikus – der für die Stressreaktion zuständige Teil des Nervensystems – ist permanent hochgefahren. Das Gehirn hat verlernt, in den Erholungsmodus zu wechseln. Dieser Zustand hängt oft mit innerer Unruhe zusammen, die auch in ruhigen Momenten nicht nachlässt.

Ein weiterer Faktor ist die Identifikation mit Leistung. Wer seinen Selbstwert über Produktivität definiert, empfindet Ruhe unbewusst als Bedrohung. Nichtstun fühlt sich dann nicht entspannend an, sondern schuldig. Dieses Muster ist in der Schweiz – und besonders in leistungsorientierten Städten wie Zürich – weit verbreitet.

Dazu kommt eine Gewohnheitskomponente: Wenn Sie jahrelang im Dauermodus gelebt haben, weiss Ihr Gehirn schlicht nicht mehr, wie Abschalten funktioniert. Es fehlt die Übung. Und genau wie bei jeder anderen Fähigkeit braucht es Training und Wiederholung, um sie zurückzugewinnen. Die gute Nachricht: Ihr Nervensystem ist anpassungsfähig. Es kann umlernen – aber es braucht die richtigen Impulse.

Praktische Strategien, die funktionieren

Die folgenden Techniken helfen Ihnen, einen echten Übergang zwischen Arbeit und Erholung zu schaffen:

  • Schaffen Sie ein Abschaltritual. Ein festes Ritual signalisiert dem Gehirn: Der Tag ist vorbei. Das kann ein kurzer Spaziergang nach der Arbeit sein, das bewusste Umziehen von Arbeitskleidung in bequeme Kleidung, oder drei Minuten Atemübung am Schreibtisch, bevor Sie den Laptop zuklappen.
  • Definieren Sie eine digitale Grenze. Legen Sie eine feste Uhrzeit fest, ab der Sie keine beruflichen Nachrichten mehr lesen. Schalten Sie Benachrichtigungen ab. Das Smartphone sollte mindestens eine Stunde vor dem Schlafen aus der Hand gelegt werden.
  • Nutzen Sie die Macht der Bewegung. Körperliche Aktivität ist einer der effektivsten Wege, den Übergang von Anspannung zu Entspannung zu schaffen. Ein Abendspaziergang von zwanzig Minuten kann den Cortisolspiegel messbar senken.
  • Lernen Sie echte Entspannung. Statt passivem Konsum probieren Sie progressive Muskelentspannung, geführte Meditation, Yin Yoga oder einfach bewusstes Nichtstun. Der Unterschied zur Ablenkung: Echte Entspannung beruhigt das Nervensystem aktiv.
  • Schreiben Sie den Tag ab. Nehmen Sie sich fünf Minuten am Abend, um die wichtigsten Gedanken, offene Aufgaben und Sorgen aufzuschreiben. Was auf dem Papier steht, muss der Kopf nicht mehr festhalten. Diese Technik ist besonders wirksam gegen das nächtliche Grübeln und hilft Menschen, die zu viel nachdenken.
  • Verbinden Sie sich mit Menschen. Ein echtes Gespräch – nicht über die Arbeit – kann den Fokus verschieben und das Gefühl von Verbundenheit stärken, das zur Entspannung beiträgt.
  • Reduzieren Sie Entscheidungen am Abend. Jede Entscheidung kostet mentale Energie. Planen Sie das Abendessen am Morgen, legen Sie die Kleidung für morgen am Vorabend raus. Je weniger Ihr Gehirn am Abend entscheiden muss, desto leichter fällt das Abschalten.

Häufige Fehler beim Versuch abzuschalten

Viele Menschen verwechseln Ablenkung mit Entspannung. Drei Stunden Netflix nach einem stressigen Tag fühlen sich an wie Erholung – aber das Gehirn verarbeitet dabei Bilder, Emotionen und Handlungsstränge. Echte Erholung braucht reizarme Umgebungen und bewusste Stille.

Ein weiterer Fehler ist der Versuch, Entspannung zu erzwingen. Wer sich unter Druck setzt, endlich abzuschalten, erzeugt paradoxerweise mehr Anspannung. Der Gedanke «Ich muss jetzt entspannen» aktiviert genau den Stressmodus, den Sie verlassen wollen. Erlauben Sie sich stattdessen, einfach da zu sein – ohne Ergebnis, ohne Ziel.

Auch der Glaube, man brauche viel Zeit zum Abschalten, ist ein Hindernis. Viele Menschen verschieben Entspannung auf das Wochenende oder den nächsten Urlaub. Dabei zeigen Studien, dass kurze, tägliche Erholungsphasen wirksamer sind als seltene, lange Pausen. Fünf Minuten bewusste Entspannung pro Tag bringen mehr als zwei Wochen Ferien, nach denen Sie sofort wieder im alten Muster landen.

Und schliesslich: Unterschätzen Sie nicht den Einfluss Ihrer Umgebung. Wenn Ihr gesamtes Umfeld – beruflich wie privat – im Dauerstress-Modus lebt, wird Abschalten unbewusst als Abweichung empfunden. Es braucht Mut, sich aus diesem Muster herauszulösen. Aber es lohnt sich.

Wann die Unfähigkeit abzuschalten zum Problem wird

Wenn Sie dauerhaft nicht abschalten können, trotz aller Bemühungen nachts wachliegen, sich innerlich getrieben fühlen oder merken, dass Ihre Beziehungen unter dem Dauerstress leiden, ist professionelle Unterstützung sinnvoll. Besonders wenn Sie das Gefühl haben, auf ein Burnout zuzusteuern, sollten Sie frühzeitig handeln.

Balancd in Zürich bietet psychologische Beratung an – keine Psychotherapie. Es geht um konkrete, alltagsnahe Unterstützung für Menschen, die wieder lernen wollen, zur Ruhe zu kommen. Die Beratung erfolgt auf Selbstzahlerbasis. Teilweise ist eine Kostenübernahme über die Zusatzversicherung möglich.

Abschalten ist keine Fähigkeit, die man hat oder nicht. Es ist eine Fertigkeit, die trainiert werden kann – Schritt für Schritt, Tag für Tag. Und manchmal braucht es professionelle Begleitung, um den Anfang zu finden und dranzubleiben.

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